Hamburger Gast

Hamburger Gast

(Schlachthof-Nachtrag)

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Fri, August 03, 2018 18:43:17
(Wer „alter Schlachthof“ sagt, wie Frank (siehe hier), kann sich meiner Aufmerksamkeit sicher sein – erinnert mich der Ausdruck doch zuverlässig an ein Lied der Punkband WIZO. Mit nicht eben subtilem Refrain:


„Und jetzt spritzt das warme Blut /
aus dem Hals der letzten Sau /
und mit ihr stirbt ein kleines Stück Geschichte uns’rer Stadt. /
Der Sau ist das egal /
doch wir wissen es genau: 
/
Der Bagger macht viel mehr als nur den alten Schlachthof platt.“

Die Zeilen werden auf eine Melodie gesungen, wie sie auch im Vorspann einer Kindersendung laufen könnte. Als Jugendlicher interessierte mich dieser Kontrast. Ich krähte den Text ins Gesicht eines eingebildeten Gegenübers, das weder mit der Brutalität des Schlachtens klarkam, noch damit, dass diese Brutalität auch Identität bedeuten konnte. In meiner Gegend gab es zwar nicht mal eine Teewurst-Manufaktur und gestritten wurde eher um Wahrzeichen vom Range historischer Mühlräder. Eben deshalb aber hörte ich WIZO, wie Jugendliche heute dort vermutlich Offenbacher Gangsta-Rapper hören. Und Schlachthöfe gelten mir völlig unverschuldet als romantische Symbole, was noch ein wenig kruder dadurch wird, dass ich seit Jahren Vegetarier bin. Sind sie nicht hübsch, diese Paradoxien, die so träge funkeln wie Blaualgen im Badesee? Hier das Lied.)

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