Hamburger Gast

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Moin

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Thu, August 02, 2018 19:58:44
„Im alten Schlachthof“, sagt Frank, „wird nicht mehr geschlachtet.“ Er zeigt auf den Boden. „Hier“, sagt er, „lagen früher noch Schienen. Für die Viehtransporte. Lange her.“ Wir spazieren an der Mauer entlang, über Kopfsteinpflaster, es riecht nach verbranntem Gummi. „Manchmal“, sagt Frank, „ist damals ein Rind ausgebüchst. Und durchs Viertel gelaufen. Hat's aber nie weit geschafft." Ich stelle mir vor, wie es sich über das Pflaster galoppierte, wie es sich durch die Stadtnacht schnaubte, damals, dem Schlachthoftod von der Schippe springend. Wie das gewesen sein muss, im Karoviertel: Wenn die Wut abflaut und die Panik, und die Beine schmerzen, und die Lichter leuchten, und man schließlich vor einem Erdgeschossfenster haltmacht, um mit großen Augen hineinzustarren zu den seltsamen Dingen und den seltsamen Wesen dort drin, bevor einen die Häscher wieder einfangen, plötzlich und schrecklich endgültig. So als Rind.

Hallo Hamburg. Ich bin Til. Und für drei Monate Stadtschreiber. Ich wohne in der Nähe des alten Schlachthofs und spähe nach Tieren und anderen Sensationen. Im August schreibe ich außerdem im Bergedorfer Schloss, im September im Theater Schmidt und im Oktober in der Kulturwerkstatt Harburg. Man kann vorbeikommen, es gibt dann Kekse, ich freue mich enorm.

Frank (der die Schlachthofgeschichte erzählt hat) ist übrigens Journalist und stellt Fragen, wenn er nicht gerade Geschichten vom Karoviertel erzählt. Ich habe versucht, gewieft zu antworten, aber es war noch zu früh, ich habe stattdessen viel Kaffee verschüttet. Was Frank daraus macht, erscheint demnächst in der taz nord und wenn es nicht allzu unangenehm für mich ausfällt, gebe ich (hier) Bescheid. Einstweilen hat Frank auch Fotos gemacht, und damit man sich unter dem Kerl, der demnächst in der Gegend Ausschau nach Rindern hält, auch etwas vorstellen kann: Bitteschön. Ich war zwar schon wacher, aber immerhin sind auch Sonnenblumen drauf.

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