Hamburger Gast

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Wenn Geduld eine Tugend ist, dann ist jetzt die Zeit des Lasters angebrochen

hamburger gast 2017Posted by Stephan Roiss Mon, October 23, 2017 20:50:54

Da Ella Marouche zu den Preisträgerinnen gehörte - Gratulation! - und so freundlich war mich einzuladen, durfte ich der Verleihung des Walter Kempowski - Preises beiwohnen. Gino Leineweber las die drei preisgekrönten Texte mit hörbar geübter Stimme vor, Musik kam von einem Teenager am Steinway-Flügel - Name der Redaktion entfallen, aber "Purple Rain" war richtisch geil. Der sogenannte Pfeffersackfaktor war immens hoch, ein Buffet ist ein Buffet ist ein Buffet, ich bin dann mal weg.


So sieht der Kulturkran der KulturWerkstatt von Weitem aus. An einem endzeitgrauen Tag, leicht schief fotografiert. So wirkt er wie ein unfreundliches Alien-Transportmittel aus "Krieg der Welten".Der Plasmakanonenbeschuss blieb allerdings aus, ich konnte mich dem Kran ohne Zwischenfall nähern und in sein Inneres vordringen.


Die Aussicht in der Steuerkabine.
Heinrich, vor dir graut mir nicht. Mir graut vor Donald "Stephen Kings Es" Trump und den Autokraten in Russland, in der Türkei, in Nordkorea und der halben Welt, vor dem Spiel mit Nuklearangriffen, vor der irrationalen und unbarmherzigen Panik, die die Ärmsten bei den Armen auslösen, und die zu blindem Hass wird, während steuerbefreite Konzerne sich ins Fäustchen lachen und die systematische Ausbeutung munter weitergeht und den Globus verheert, mir graut vor dem europaweiten Rechtsruck, vor der kommenden Rechts-Rechts-Regierung in Österreich, vor der Beschneidung der sozialen und kulturellen Sektoren in meinem Heimatbundesland Oberösterreich: Für #kulturlandretten notierte ich einige Zeilen, die den Pathos nicht mehr fürchten.

Wenn Geduld eine Tugend ist, dann ist jetzt die Zeit des Lasters angebrochen. Ich habe keine Lust mehr zuzusehen, wie wir uns selbst in den Abgrund manövrieren. Unsere Gier ist so lächerlich - leider lässt sie uns erblinden. Unsere Angst vor allem Fremden ist so lächerlich - leider kostet sie Menschenleben. Wenn wir der Kultur das Wasser abgraben, trocknen wir genau das aus, woraus noch Hoffnung erwächst. Das, in dem wir uns entfalten können ohne fremdbestimmten Zwecken zu unterstehen. Das, was uns Mut-zu-Mut beatmet. Das, was uns unsere Menschlichkeit und unsere Unmenschlichkeiten spiegelt. Das, woraus sich Entwürfe eines anderen Lebens speisen. Das, was uns daran erinnert, dass wir in keine Kosten-Nutzen-Rechnung passen und wir mehr sind als abgerichtete Hündchen eines perversen Ökonomismus.







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