Hamburger Gast

Hamburger Gast

Gast im Fernsehen

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Mon, August 13, 2018 19:40:43
Ein Sammler von Geräuschen bin ich, sagt der NDR. Und zwar hier - vielen Dank den Macherinnen und Machern für diesen schmeichelhaften Beitrag! Jetzt muss ich's wohl liefern, das Möwengeschrei.





  • Comments(0)//news.hamburger-gast.de/#post94

Doradenfragen

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Fri, August 10, 2018 15:02:06
Man empfahl mir "Karofisch", man empfahl mir da die Dorade. Doch als ich ankam, saßen die Menschen dicht an dicht. Auf Holzbänken sitzen sie dort, Reihe um Reihe, sitzen und schwitzen und glotzen ins Nichts. Bis die Doraden aus der Tür strömen, denn den Doraden bleibt der Mund offen stehen, die Doraden eilen zu den Menschen und fragen, wie das denn sein könne, dass hier so dicht an dicht gesessen werde, dass so geglotzt werde und geschwitzt, ja, ob man etwa keinen Platz hätte hier oben? Doch die Menschen beugen sich nur herunter und pressen Zitronenscheiben aus und die Doraden runzeln daraufhin zutiefst verwundert die Kiemen.



  • Comments(1)//news.hamburger-gast.de/#post93

NDR

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Thu, August 09, 2018 13:09:40
Der NDR war da, der NDR hat Dinge gefragt, der NDR hat Dinge gesendet, hier kann man sie hören (ich sage "exploren" und halte jetzt eine Weile Sicherheitsabstand zu Mikrophonen). Vielen Dank der wunderbaren Emine Cekirge für den Beitrag!

  • Comments(0)//news.hamburger-gast.de/#post92

HVV-Gau

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Wed, August 08, 2018 15:41:25
Natürlich mag der HVV alle seine Fahrgäste, soviel sei gesagt. Aber manche mag er eben besonders, und darüber informiert das Schild an der Bustür: „Wir mögen Fahrgäste am liebsten, die vorne einsteigen und ihre Fahrkarte vorzeigen“, außerdem solche, die „alles geben, damit die Türen frei bleiben“, wirklich alles, und drittens diejenigen, die „nach hinten durchrückend und nur dort aussteigen“, nur dort, hat das jetzt jede und jeder verstanden? Ja? Dann gibt’s zur Belohnung noch einen Tipp, nämlich hier: „Noch ein Tipp: Halten Sie bitte ihre Fahrkarte für eventuelle Fahrkartenkontrollen beim Ausstieg bereit“, na, und wenn das mal kein hilfreicher Hinweis ist fürs Überleben im Großstadtdschungel, dann, ja dann können wir solche Tafeln gleich von Waldorflehrerinnen kurz vor dem Burn-Out texten lassen, ah, Augenblick mal, das machen wir schon.



  • Comments(0)//news.hamburger-gast.de/#post91

Viertelröstung

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Wed, August 08, 2018 14:14:01
Und jeden Tag erwache ich mit Heißhunger auf die Stadt, brutzelt doch das Karoviertel gerade in der Pfanne. Schmoren in den Altbauten noch Alteingesessene, zischt Graffiti die Mauern entlang, knistern allenthalben Kellertüren mit Unmengen an Stickern darauf. Manche Vorgärten sind von Gerümpel verkrustet, manch Sonnenbadende bräunen dazwischen, hier wird noch gestreunt, dort nicht geräumt. Und täglich grüßen verstaubte Schaufenster, aber zurückgrüßen lässt sich bereits mit Matcha-Latte in der Hand, auf Sojamilchbasis, von Vintage-Stühlen, zwischen Hipsterbärten, unter mintgrüner Markise. Und an den Ecken kokelt es schon, werden WG-Zimmer für 550 angeboten, schließen Ramschläden für Szene-Bars, saniert ein schwäbischer Immo-Fond Fassaden. Die ganze Gegend ist glasig geschwitzt und ein guter Koch nähme sie jetzt vom Herd der Gentrifizierung - genau jetzt, spätestens jetzt, doch man will das Viertel wohl gut durch (und durch ist es auch bald).

  • Comments(0)//news.hamburger-gast.de/#post90

Schafft Genossen

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Tue, August 07, 2018 20:13:13
Der Platz der Genossenschaft gehört mittags den Männern. Sie schieben zerlumpte Hemden hoch und lassen die faltigen Bäuche hängen, manche nuscheln einander durch dichte graue Bärte zu. Die meisten aber haben sich auf eine Bank gestreckt und dösen auf Stoffbündeln. Nachmittags dann sitzen plötzlich junge Frauen auf den Steinen daneben. Gruppen in Röcken, Gruppen in Sommerkleidern beplappern munter den Tag, in den Händen halten sie Frozen Yoghurts mit neonfarbenen Plastiklöffeln darin, und die Herren richten sich auf und rülpsen und blinzeln, als hätten sie eine Marienerscheinung.

  • Comments(0)//news.hamburger-gast.de/#post89

Doom

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Tue, August 07, 2018 16:32:10
Die Kindereisenbahn „Mini-Express“ verfügt noch über einen Raucherwagen. Neben den Gleisen stehen panisch grinsende Gartenzwerge Spalier und halten Verbotsschilder: „Nicht in den fahrenden Zug greifen!“ Als die Fahrt losgeht, sitzen drei Jungs und ein Mädchen in getrennten Waggons und betätigen mechanisch die darin angebrachten Glocken, während eine Elterntraube verzückt Fotos schießt. Ich bin auf dem Dom. Ich weiß nicht, warum.
Weiß ich schon: Weil ich für meinen ziellosen Stadtbummel einen anderen Rückweg wählte. Und schnurstracks zurück in die Zukunft getrottet war: Gleich am Eingang harft der schnauzbärtige Engel, vor dem ich schon als Kind Angst hatte, vor dem „Irrgarten mit Zauberspiegel“ und grantelt dazu (auf Bayerisch!). Er schielt immer noch und der Kiefer kaut Babyknochen. Meine Eltern fühlten sich einst verpflichtet, mit uns wenigstens einmal pro Jahr über das Oktoberfest zu laufen, obwohl sie es hassten. Jetzt, Dekaden später, fühle ich mich ihnen nah.
Allenthalben rammt mir ein Kinderwagen in die Hacken, doch das ist nichts gegen die Faustschläge, die man sich von reflexartig hervorschnellenden Selfie-Armen fängt. Sympathie erntet nur der einsamste Mann auf dem Rummel, der Gurkenverkäufer, der trübsinnig in seine Fässer blickt, weil er noch nie von den „mit Knobi“, „mit Senf“ und „mit Essig“ eingelegten Grünlingen verkauft hat. Nebenan kreischen routiniert die Achterbahnfahrer, und ein paar Meter weiter setzt im „Weingarten“ ein Pärchen zum Vollzug an: Gerade-noch-so-bekleidet drücken sie ihre von Riesling glühenden Gesichter aneinander und die Umsitzenden gaffen, als beobachteten sie das seltene Kopulations-Ritual der Buckelwale.
Vor einem Slushi-Stand üben Halbwüchsige das Flatrate-Saufen, einer leuchtet schon neongrün. Allenthalben schieben sich einem schwitzende Stoppelschädel ins Sichtfeld, weil Männer hier noch Männer sind, die anderen Männern den Weg abschneiden. Weicht man aus, stolpert man unweigerlich in eine Familienkrise, deren Einzelheiten von einem chronisch gutgelaunten Ansager übertönt und von der nächsten Bude mit Wolken aus Frittierfett verkleistert werden. Ein handbemaltes Zeichen weist darauf hin, dass hier für jeden etwas zu holen ist, auch: „Zahnfreundliche Mandeln – mit wenig Zucker und nicht so hart gebrannt“. Mitten in der Menge steht eine Frau im Pferdekostüm und verteilt Flugblätter, auf denen steht, dass Ponys bis zu 4,3 Kilometer weit hören können. Warum sie das tut, wird Meter später offenbar, wo eine Herde Ponys mit krakeelenden Quälgeistern auf ihren Rücken durch die Manege getrieben werden. Demonstranten blockieren den Eingang. Besucher umrunden sie. Der Betreiber zuckt mit den Schultern. Die Ponys zotteln los.
Zurück beim „Mini-Express“. Die wilde Fahrt ist vorbei und die Kinder müssen gewaltsam von den Glocken in ihren Abteilen getrennt werden. Ein kleines Mädchen lässt sich von ihrer Mutter aus dem Fahrgeschäft zerren und klagt, dass ihr schlecht sei: "Mama, können wir jetzt nachhause?" Aber die Mama schüttelt den Kopf. Der Spaß geht doch erst los.

  • Comments(0)//news.hamburger-gast.de/#post88

(Schlachthof-Nachtrag)

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Fri, August 03, 2018 18:43:17
(Wer „alter Schlachthof“ sagt, wie Frank (siehe hier), kann sich meiner Aufmerksamkeit sicher sein – erinnert mich der Ausdruck doch zuverlässig an ein Lied der Punkband WIZO. Mit nicht eben subtilem Refrain:


„Und jetzt spritzt das warme Blut /
aus dem Hals der letzten Sau /
und mit ihr stirbt ein kleines Stück Geschichte uns’rer Stadt. /
Der Sau ist das egal /
doch wir wissen es genau: 
/
Der Bagger macht viel mehr als nur den alten Schlachthof platt.“

Die Zeilen werden auf eine Melodie gesungen, wie sie auch im Vorspann einer Kindersendung laufen könnte. Als Jugendlicher interessierte mich dieser Kontrast. Ich krähte den Text ins Gesicht eines eingebildeten Gegenübers, das weder mit der Brutalität des Schlachtens klarkam, noch damit, dass diese Brutalität auch Identität bedeuten konnte. In meiner Gegend gab es zwar nicht mal eine Teewurst-Manufaktur und gestritten wurde eher um Wahrzeichen vom Range historischer Mühlräder. Eben deshalb aber hörte ich WIZO, wie Jugendliche heute dort vermutlich Offenbacher Gangsta-Rapper hören. Und Schlachthöfe gelten mir völlig unverschuldet als romantische Symbole, was noch ein wenig kruder dadurch wird, dass ich seit Jahren Vegetarier bin. Sind sie nicht hübsch, diese Paradoxien, die so träge funkeln wie Blaualgen im Badesee? Hier das Lied.)

  • Comments(0)//news.hamburger-gast.de/#post87
Next »