Hamburger Gast

Hamburger Gast

Katzenkaiser

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Fri, August 17, 2018 13:12:52
Übers Wochenende muss ich nach Köln, und als wäre das nicht schlimm genug, kaufe ich am Hamburger Hauptbahnhof ein Sandwich, der Katzenimperator hat es befohlen.
Moment, ich kann das erklären.
Das Sandwich kaufe ich bei Subway. Mein erstes Subway-Sandwich kaufte ich am 28. September 2004 gegen 14 Uhr in einer Filiale nahe der Düsseldorfer Universität. Dass ich das noch genau weiß, liegt daran, dass ich frisch frei war: Frei von der Schulpflicht, frei von elterlichen Weisungen, frei von überflüssigem Besitz. Nun ist Subway eine zweifelhafte amerikanische Kette mit fragwürdigem Geschäftsgebahren, grenzwertiger Werbung und katastrophaler Öko-Bilanz. War mir aber egal. Ich war 19, und neu in einer fremden, aufregenden Stadt, und ich ging verdammt noch mal ein Sandwich essen.
Was allerdings schwieriger war als gedacht. Der Subway-Bestellvorgang sieht vor, dem Sandwich in mehreren Stadien bei der Vervollkommnung durch einen kundigen Mitarbeiter zuzusehen und sich dabei mit Wünschen einzubringen. Wenn man indes nicht weiß, wann es Wurst und Käse, wann Brotsorte, Gurkenscheiben oder Pfeffer zu wünschen gilt, zieht man den Unmut des Servicepersonals auf sich. Als wir bei der Soßenauswahl angelangt waren, hatte ich bereits genug Unmut fürs erste Semester im Gepäck und überflog fieberhaft die Möglichkeiten, während der Subway-Sklave sauer auf sein Schneidebrett trommelte. Zwischen „Honey Mustard“, „Sweet Onion“ und „Texmex“ entschied ich mich dann dank einer besonders fehlgeleiteten Ehrgeizvariante für jene Soße, die am schwersten auszusprechen und einzuordnen war: Ich orderte „Asiago Caesar“.
Bei Asiago Caesar handelt es sich, laut Subway-Selbstauskunft, um eine delikate Käse-Knoblauch-Melange. In Wahrheit schmeckt die Pampe nach übersäuertem Joghurt und sieht auch so aus. Doch in meiner jugendlichen Euphorie, womöglich auch schlicht in der Erleichterung, der grimmigen Bedienung entronnen zu sein, ließ mich Caesar an den römischen Kaiser denken und Asiago an eine Katze, was sich wiederum nur so erklären lässt, dass es seinerzeit eine Katzenfuttermarke namens Animonda gab, durch deren Fernsehspots ein markanter Kater spazierte, und weil mein Gehirn mit einem phonetischen Assoziationszwang geschlagen ist, spazierte er gleich weiter in meine Vorstellung hinein (so denke ich auch beispielsweise beim Klang des Namens Altona an die Zahnpastasorte Aronal und empfinde wiederum, auf dem Elbbalkon stehend, das schale Gefühl eines nicht ausreichend fluoridierten Reinigsmittels am Gaumen). Jedenfalls kaute ich mein Freiheitssandwich mit dem Gedanken an eine gebieterische Katze mit Lorbeerkranz. Bis heute befielt mir das Vieh bei jeder Gelegenheit, im nächstgelegenen Subway ein Asiago Caesar-Sandwich zu ergattern. Und obwohl es mir längst nicht mehr schmeckt, ich das ganze Unternehmen längst problematisch finde, obwohl ein Sandwich in Freiheit nun längst keine Sensation mehr darstellt, muss ich dem herrischen Kater von Zeit zu Zeit nachgeben. Erzähle das eigentlich nur, falls jemand einen eingebildeten Hund hat, den ich mir mal leihen könnte.

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