Hamburger Gast

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Öl & Rollschuhe

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Wed, August 10, 2016 00:06:22

Unlängst schrieb die Journalistin und diesjährige Trägerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels Carolin Emcke eine Kolumne zum Thema Geräusche. Sie erzählt darin von einem argentinischen Freund, der ein Archiv der Geschichten aufbauen möchte, in denen Menschen von den Geräuschen ihrer Kindheit erzählen.

Mein Lieblingsgeräusch in der Kindheit war das meiner Rollschuhe. Schwere Eisendinger, die man sich unter die Schuhe binden musste. Das Dröhnen der Rollen auf dem Asphalt, und wenn man über die Platten eines bestimmten Bürgersteigs sauste, ein rhythmisches Schlagen dazu, das von den Fugen kam. Besondere Bedeutung bekam das Geräusch im Jahr 1973. An Sonntagen durften keine Autos fahren wegen der Ölkrise. Wir Rollschuh- und Fahrradfahrer nahmen die Straßen in Besitz, nicht nur physisch, auch für den Geräuschteppich der Stadt waren plötzlich wir verantwortlich. Ölfrei rollen, klingeln, schreien.

Jetzt hörte ich, dass in den Vierlanden um HH-Bergedorf wieder Öl gefördert wurde, im Zuge der aktuellen Schwankungen im Ölangebot. 98% des deutschen Ölbedarfs werden importiert. Von den restlichen 2% mache die Fördermenge der Vierlande wiederum 2% aus. Aber wegen der neuerlichen Ölschwemme habe man es wieder aufgegeben. Ich musste an meine Rollschuhe denken und hörte ganz deutlich das Geräusch der Rollen auf dem Asphalt.







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