Hamburger Gast

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Das politische Huhn

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Sat, August 06, 2016 12:25:13

An dem Tag, als ich mich nach Hamburg aufmachte, der 31.7. ein Sonntag, fand in Köln die Großdemonstration der Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan statt. Da der Demonstrationsplatz auf dem Weg von unserer Wohnung zum Hauptbahnhof liegt, machte ich mir ein wenig Sorgen, ob meine Fahrt dorthin reibungslos ablaufen würde. Doch dann war die Demo auf den Nachmittag verlegt worden, und der Weg frei, nur die bereitgestellten Sperrgitter und an manchen Straßenecken wie lauernde Tiere positionierte Wasserwerfer kündigten das Ereignis an.

Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker kommentierte die Demonstration mit den Worten: Es sei, als ob freilaufende Hühner für Käfighaltung demonstrierten. Sehr treffend auf den kabarettistischen Punkt gebracht. Hühner demonstrieren gewöhnlich nicht, aber Tierschützer manchmal für sie. Und hat es da nicht einen anderen Vergleich gegeben? Der Begriff „Hühner-KZ“ hatte einmal für Aufsehen und kontroverse Diskussionen gesorgt. Immerhin soll die Bezeichnung auf den Bischof Martin Niemöller zurückgehen, der als KZ-Häftling in Sachsenhausen und Dachau einsaß. Und Professor Bernhard Grzimek handelte sich dafür die Klage eines Eierherstellers ein. Ob als Demonstrant oder Opfer, das Huhn ist präsent in der politischen Sphäre.

Das war früher sicher anders. Im Rieck-Haus in HH-Bergedorf, ein Hof aus dem 16. Jahrhundert und heute Freilichtmuseum, wurden damals im Winter Stubenküken herangezogen. Sie lebten warm in kleinen Kästen unter der Fensterbank, mit viel Auslauf um die Beine der Bauersfamilie, die die Hühnerhinterlassenschaften einfach mit Sand hinauskehrte. Sie wurde ja auch belohnt, mit zartem Fleisch nach nur 21 Tagen. Ein kurzes Hühnerleben, vielleicht hätten sie demonstrieren sollen.














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