Hamburger Gast

Hamburger Gast

Fassaden

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Wed, August 03, 2016 20:03:54

Vielen Dank für den herzlichen Empfang. Und weil das Wettbewerbsthema so großartig war, hier noch ein paar Gedanken

Über Fassaden

Stehen wir vor Fassaden, sind wir draußen. Sind sie schön geschmückt, lassen wir gern unseren Blick daran entlangschweifen. Sei es ein Haus mit Blumenkästen oder eine Person, deren Äußeres uns attraktiv aber abweisend erscheint. Für den Blick dahinter, brauchen wir einen Schlüssel, eine Eintrittskarte oder die Erlaubnis der Person, ihre persönliche Fassade zu durchdringen.

Bin ich dahinter, fühle ich mich beschützt. Fassaden bilden die sichtbaren Grenzen der beschützten Räume, die jedes Individuum für sich selbst definieren können sollte. Doch jeden Tag wird dagegen Sturm gelaufen, mit kleinen Nadelstichen oder härteren Geschützen. Spam-Mails, die ungebeten auf meinem Rechner landen. Der nervige Bekannte, der ohne Empathie immer dieselben Geschichten erzählt, die ich schon hundertmal habe. Im schlimmsten Fall jemand, der mir mit Gewalt seine Weltanschauung aufdrängen will.

Also richte ich mir eine Firewall ein und lade den Bekannten nicht mehr ein. Fahre die Sicherheits-systeme hoch. Die Fassade wird dicker. In Kontakt treten sieht anders aus. ‘I’ve built walls. A fortress deep and mighty, that none may penetrate’, sangen einst Simon & Garfunkel in ‘I am a rock’. Sollte es immer darauf hinauslaufen? Doch der Song enthält auch den vielleicht tröstlichsten Satz der Popgeschichte ‚I have my books and my poetry to protect me‘.

Ich würde noch die Musik und die Kunst hinzufügen. Wenn doch mehr Schutz nicht nötig wäre.




  • Comments(0)//news.hamburger-gast.de/#post6