Hamburger Gast

Hamburger Gast

Aberglaube

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Wed, October 12, 2016 10:11:33

Bevor ich nach Hamburg fuhr, sagte meine Mutter zum Abschied, ich solle für sie in die Elbe spucken, das bringe Glück. Sie überlegte einen Moment und fügte hinzu, sie glaube, dass es auch bei der Alster funktioniere. Dass sie sich da nicht so sicher war, liegt bestimmt daran, dass sie seit fast 60 Jahren nicht mehr in Hamburg lebt. Von meiner Harburger Großmutter sind noch weitere Glaubenssätze überliefert, die ich nicht vergessen habe, wahrscheinlich, weil es darin um Leben und Tod geht. „Sie sterben immer im Dreieck“, ist einer, und wenn ein Nachbar oder Bekannter verstorben war, vielleicht wartete sie dann, und erst nach Bekanntwerden des dritten Todesfalls konnte sie beruhigt sein, dass sie und ihre Lieben in dieser Runde verschont geblieben waren. „Zwischen Weihnachten und Neujahr darf keine Wäsche hängen, sonst stirbt einer“. Natürlich bin ich nicht abergläubisch und hänge die Wäsche auch zwischen den Jahren auf, und soweit ich zurückdenken kann, hatte das nie Konsequenzen.

Als ich heute durch die Stadt ging, fand ich in einer Pfütze ein 1 Cent Stück. Früher, zu D-Mark Zeiten, galt das 1-Pfennig-Stück als Glücksbringer, und ich fragte mich, ob diese Kraft mit der Euroumstellung auf das 1-Cent-Stück übergegangen ist, da es sich nun doch ungefähr um ein 2 1/2-Pfennig-Stück handelt. Hat die EZB etwa mit dem glücksverwaltenden Universum dahingehend Verhandlungen geführt? Oder wurde eine entsprechende EU-Norm herausgegeben, von der ich bisher noch nichts gehört habe? Aber wie gesagt, ich glaube sowieso nicht daran, also ließ ich es liegen. Dann dachte ich, wenn es jemand anders aufhebt und ihm dadurch ein besonderes Glück widerfährt, dann habe ich es ihm geschenkt. Ein schöner Gedanke. Nein, abergläubisch bin ich nicht, trotzdem gut, in Hamburg zu sein, da kann man jederzeit in die Elbe spucken.





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