Hamburger Gast

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Traum

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Mon, August 29, 2016 13:07:13

Ich wähle eine Telefonnummer. Sie ist endlos lang. Vielleicht 30 Ziffern oder mehr. Ich benutze dazu ein altes Wählscheibentelefon, es ist schwarz und aus Bakelit. Ich kenne dieses Telefon aus der Kindheit. Es stand bei meinen Verwandten in Hamburg, und noch heute kenne ich die Telefonnummer auswendig, die auf dem dafür vorgesehenen Feld notiert war. Die Nummer, die ich im Traum wähle, kenne ich nicht, aber jedes Mal verwähle ich mich bei der 28. Oder 29. Ziffer, so dass ich wieder von vorn anfangen kann. Das macht mich nervös, und ich schaffe es nie, die Verbindung herzustellen, bevor ich aufwache.

Traumdeuter würden mir wahrscheinlich mangelnde soziale Kompetenz bescheinigen. Was Freud dazu gesagt hätte (hat er?), weiß ich nicht. Aber gestern dachte ich plötzlich, dass es diesen Traum bald nicht mehr geben wird. Die nächsten Generationen werden ein Bakelittelefon höchstens aus dem Museum kennen, oder aus Filmen. Sie werden sich nicht mehr die Schwere vorstellen können, gegen die der Finger die Wählscheibe bewegen muss. Und nicht das typische Geräusch im Ohr haben, das sie dabei macht. Ein Sirren wie von einem Insekt, ein helleres beim Hinaufschieben, ein dunkleres, wenn man die Scheibe entlässt und sie in ihre Ausgangsposition zurückschnellt, was Aufschluss über ihren analogen Mechanismus gibt. Ich war ein wenig entsetzt darüber, dass dieser Traum aussterben wird.





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