Hamburger Gast

Hamburger Gast

Sand Pauli

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Wed, September 26, 2018 13:02:05
„Nächster Halt: Sand Pauli“, sagt die freundliche Frauenstimme der Bahn. Jeden Tag sagt sie’s, oder ich versteh’s zumindest jeden Tag. Es ist wie eines dieser Bilder, die zugleich eine Vase darstellen könnten oder zwei einander anblickende Gesichter, und wenn man einmal die Gesichter sieht, kann man die Vase nicht mehr sehen, und umgekehrt. Nur, dass in diesem Fall niemand außer mir die Vase sieht beziehungsweise „Sand Pauli“ versteht, zumindest zuckt niemand in der ganzen U-Bahn auch nur mit der Wimper, während ich sofort grenzdebil zu grinsen beginne, türmen sich doch vor meinem inneren Auge die tanzenden Türme aus Staub. Wird die Meile zur Wüste, hängen an den Palmen auf dem Spielbudenplatz plötzlich Datteln, ziehen Kiezkamele die Reeperbahn entlang und verschleiern sich die Frauen an den Ecken zu verführerischen Tänzerinnen aus tausendundeiner Nacht. Die Buden sind nunmehr Dünen, aus frohlockenden Freiern werden baggernde Beduinen, die Kneipen wären Oasen und es gäbe erfreulich viele davon. Schließlich striche einem warmer Wind durchs Gesicht, kaum dass man die Straße betreten hätte, die außerdem keine Straße mehr wäre sondern ein Pfad, den es in sengender Hitze entlangzustapfen gelte, weil das nun einmal der Weg sei, den ein wackerer Wüstenwanderer zu beschreiten hätte, wollte er je die endlose Dürre durchqueren, an deren Ende Reichtümer warteten, weitere Abenteuer zumindest, schlimmstenfalls ein kühles Helles, goldgelb wie Sand Pauli selbst.

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