Hamburger Gast

Hamburger Gast

Ers(t)ma(l)

hamburger gast 2018Posted by Tilman Strasser Mon, September 10, 2018 12:55:43
In meinem Motivationsschreiben für das Stipendium schrieb ich ja (wie keine Zeitung, kein Radiobeitrag zu erwähnen vergaß), ich freute mich auf das Zusammenspiel aus knappem Witz und steifer Brise. Und wenn auch die allersteifsten Brisen ob des Klimawandelsommers und seinem Nachhall noch auf sich warten lassen, ist mir doch schon der ein oder andere einsilbige Gag untergekommen, wovon ich allerdings die spartanische Abschiedsformel, die mir das Organisatorenpaar Ella und Huug jüngst nahebrachte, ob ihrer kaum steigerbaren Lapidarität hervorheben möchte: Statt „Tschö“ also, wie es mir das Rheinland eingetrichtert hat, statt dem bayerischen „Servus“ meiner Kindheit, statt dem münchnerisch-internationalen „Ciao“, und ja, auch statt dem norddeutsch-gezischten „Tschüß“ kann man hier offensichtlich „Erstmal“ statt „Auf Wiedersehen“ sagen. Wobei das allein ja schon eine schöne Schnoddrigkeit wäre, impliziert es doch ein „Soweit erstmal“ oder ein „Erstmal bis hierhin“ und damit eine alle Herzlichkeit geschickt umschiffende (sic!) Formel. Um allerdings bloß nicht zu förmlich rüberzukommen, verschluckt die oder der Sprechende klassischerweise alle unnötigen Konsonanten, weshalb sich das Ergebnis wie „Ersma“ und damit wahlweise wie eine Billigmarke für Dosenmais oder eine ungefährliche, aber ordentlich eklige Geschlechtskrankheit anhört. Nichtsdestotrotz impliziert der Laut, man habe schließlich bis eben schon eine wahrlich wortreiche Konversation geführt und es sei dringend angeraten, den Redestrom einstweilen zu unterbrechen, um ihn, wenn denn absolut nötig, ein anderes Mal fortzuführen - was umso zauberhafter absurder anmutet, als echte Redeströme mit rhetorisch derart Abwehrbereiten kaum in Gang zu bringen sind. Ach. Ich mag das Wort jedenfalls, und wenn ich bedenke, dass ich von drei Wochen Südafrika schon den Surfergruß (ein undefiniertes Wackeln mit der zur Trinkflasche und/oder zum Telefonhörer geformten Hand) mitbrachte, bin ich umso sicherer, mein erstes Hamburger Souvenir erhamstert zu haben.

  • Comments(0)//news.hamburger-gast.de/#post116