Hamburger Gast

Hamburger Gast

DANKE & TSCHÜSS

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Sat, October 29, 2016 15:48:21

"Yes, to dance beneath the diamond sky

with one hand waving free"

(Bob Dylan)

DANKE & TSCHÜSS







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Draußen oder Drinnen

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Fri, October 28, 2016 13:11:13

Wie ich als Stadtschreiberin denn Hamburg fände und die Hamburger, so von außen betrachtet, wurde ich oft gefragt.

Einmal habe ich auf diese Frage hin gesagt, Hamburg gefalle mir. Es muss in dem Moment die falsche Antwort gewesen sein, denn mein Gegenüber entgegnete, er würde aber alles eher kritisch sehen. Alles? Die Unterhaltung war an dieser Stelle beendet, leider, denn ich hätte gern erfahren, warum er solche Pauschalkritik übte. Was kann man schon über eine Stadt sagen? 'So von außen'. Reiseführerromantik? Kritische Auseinandersetzung mit dem Sichtbaren von Stadtarchitektur oder Sozialgefüge? „Städte mit Wasser sind schöner“, soll Gottfried Benn einmal über Hamburg gesagt haben, ein lapidarer Satz für einen wortmächtigen Dichter, vielleicht aus einer ähnlichen Verlegenheit heraus.

Aber Hamburg hat ja noch einen Stadtschreiber, oder besser gesagt, einen Stadtdichter, der das Stadtgeschehen von innen heraus kritisch begleitet. Ein paarmal bin ich ihm begegnet, freitags auf dem Isemarkt, wo er mit seinem Lyrik-to-go Fahrrad steht, mit den Menschen plaudert und selbst Geschichten erzählt. Der Titel seines Buches stimmt, er ist „Dichter an Hamburg“.





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Heimat zu Babel

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Thu, October 27, 2016 19:35:15

DIE HEIMAT IST NICHT DAS LAND

LA PATRIA NO ES LA TIERRA

THE NATIVE LAND IS NOT THE LAND

LA PATRIE N’EST PAS LE SOL

Schade, dass der Platz vor der Kunsthalle nur vier Seiten hat. Wie würde es wohl in den tausenden anderen Sprachen klingen?



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Wert

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Wed, October 26, 2016 14:06:57

In Hamburg wird Handel betrieben, das hat eine lange Tradition und liegt in der Natur einer Hafenstadt als Umschlagplatz für Waren und Geld. Kaffee oder Tee tragen das Emblem der Speicherstadt, um ihren Wert zu dokumentieren.

Auch ich habe in Hamburg einen Handel abgeschlossen. Ich habe ein Cello gekauft, das eine Widmung seines Erbauers für einen Hamburger Freund aufweist. Eigentlich ein unwichtiges Detail. Aber aus Händlersicht stellen sich Fragen wie: Ist die Inschrift echt, stammt sie tatsächlich aus dieser Zeit, um wieviel erhöht sie den Handelswert des Instruments? Ich frage mich: Welche Geschichten haben sich zugetragen zwischen Böhmen und Hamburg, welcher Art war die Freundschaft der beiden Männer und ihrer Familien? Die Geschichten schwingen beim Spielen mit.

Und ich nehme mir vor, meinen nächsten Coffee-to-go nicht achtlos zu trinken, sondern an all die Geschichten zu denken, die sich zugetragen haben auf dem langen Weg der Kaffeebohnen aus Kolumbien, Ecuador oder Kenia nach Europa.



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Unterwegs

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Thu, October 13, 2016 17:20:13

Du kannst um die Welt fahren. Und du kannst bleiben, wo immer du bist. Dich nicht von der Stelle bewegen. Dort unterwegs sein.





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Aberglaube

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Wed, October 12, 2016 10:11:33

Bevor ich nach Hamburg fuhr, sagte meine Mutter zum Abschied, ich solle für sie in die Elbe spucken, das bringe Glück. Sie überlegte einen Moment und fügte hinzu, sie glaube, dass es auch bei der Alster funktioniere. Dass sie sich da nicht so sicher war, liegt bestimmt daran, dass sie seit fast 60 Jahren nicht mehr in Hamburg lebt. Von meiner Harburger Großmutter sind noch weitere Glaubenssätze überliefert, die ich nicht vergessen habe, wahrscheinlich, weil es darin um Leben und Tod geht. „Sie sterben immer im Dreieck“, ist einer, und wenn ein Nachbar oder Bekannter verstorben war, vielleicht wartete sie dann, und erst nach Bekanntwerden des dritten Todesfalls konnte sie beruhigt sein, dass sie und ihre Lieben in dieser Runde verschont geblieben waren. „Zwischen Weihnachten und Neujahr darf keine Wäsche hängen, sonst stirbt einer“. Natürlich bin ich nicht abergläubisch und hänge die Wäsche auch zwischen den Jahren auf, und soweit ich zurückdenken kann, hatte das nie Konsequenzen.

Als ich heute durch die Stadt ging, fand ich in einer Pfütze ein 1 Cent Stück. Früher, zu D-Mark Zeiten, galt das 1-Pfennig-Stück als Glücksbringer, und ich fragte mich, ob diese Kraft mit der Euroumstellung auf das 1-Cent-Stück übergegangen ist, da es sich nun doch ungefähr um ein 2 1/2-Pfennig-Stück handelt. Hat die EZB etwa mit dem glücksverwaltenden Universum dahingehend Verhandlungen geführt? Oder wurde eine entsprechende EU-Norm herausgegeben, von der ich bisher noch nichts gehört habe? Aber wie gesagt, ich glaube sowieso nicht daran, also ließ ich es liegen. Dann dachte ich, wenn es jemand anders aufhebt und ihm dadurch ein besonderes Glück widerfährt, dann habe ich es ihm geschenkt. Ein schöner Gedanke. Nein, abergläubisch bin ich nicht, trotzdem gut, in Hamburg zu sein, da kann man jederzeit in die Elbe spucken.





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Tief unten

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Thu, October 06, 2016 12:45:59

Wenn ich an den Messehallen in die U-Bahn gehe, höre ich ganz leise Klänge klassischer Musik. Doch mir kommen jedes Mal andere Melodien in den Kopf. Vielleicht, weil es sich um die Linie 2 handelt, und ich beim Eintreten das rote Hinweisschild mit der Aufschrift U2 lese, formieren sich in meinem Kopf die Refrains von Where the streets have no name, With or without you, Bloody Sunday zu einem eigenen Konzert. Aber eigentlich liegt es daran, dass der Weg hinunter sehr lang ist. Die schier endlosen Rolltreppen erinnern an die Londoner Underground oder die Metro in Paris, wo man auch das Gefühl bekommt, in einer anderen Welt zu verschwinden. Alles ist vorstellbar in der Tiefe hinter den gekachelten Tunnelwänden, eine eigene dunkle Stadt, Welten jenseits von Zeit und Raum, oder eben die eigene Jugend, in der man irgendwann einmal U2 gehört hat.




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Superlativ

hamburger gast 2016Posted by Doris Konradi Thu, September 29, 2016 21:22:45

„Willkommen in der schönsten Stadt der Welt“, sagt jemand zu mir, worüber ich mich freue. Aber dann wundere ich mich. Kenne ich doch mindestens drei, die dasselbe von drei andern Städten behaupten. Berlin, London, Köln sowieso. Ist dem Superlativ das grammatische Alleinstellungsmerkmal abhandengekommen? Oder ist das Adjektiv schuld, das sich nicht entscheiden kann? „Schön“ nimmt es nicht so genau mit der Belegbarkeit seiner Aussage. Sprache ist so, sie lässt uns Freiheiten. Belegbar hingegen ist: Hamburg hat den größten deutschen Seehafen, den größten Eisenbahnknotenpunkt Nord-Europas. Den größten Parkfriedhof der Welt. Mit Wilhelmsburg die zweitgrößte Stadtinsel der Welt – gleich hinter Manhattan!



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